Big Brother in Trier

20120321-08:27 Petra

Brother in Trier

Gemeinsame Pressemitteilung der Piratenpartei Trier/Trier-Saarburg und des Chaos Computer Club Trier


Presseberichten zufolge plant die Polizei, während der Heilig-Rock-Wallfahrt in der Innenstadt Videoüberwachungsanlagen zu installieren. Diese dienen laut Polizei der Sicherheit der Pilger und machen personalintensive Einlasskontrollen und Durchsuchungsmaßnahmen überflüssig. Überwacht werden sollen unter anderem der Domfreihof, die Sternstraße, der Hauptmarkt und der Palastgarten.

"Es ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen, dass Überwachungskameras die Sicherheit eines überwachten Ortes oder einer Veranstaltung nicht gewährleisten können. Im Notfall ist zeitnahes Eingreifen erforderlich, Kameras gaukeln jedoch Sicherheit nur vor. Im Gegenzug steht der vermeintliche Gewinn an Sicherheit in keinem Verhältnis zu den Einschränkungen, welche die Besucher und Bewohner aufgrund der Videoüberwachung in Bezug auf den Schutz ihrer Privatsphäre hinnehmen müssen.", so Sebastian Kratz, Schatzmeister der Piratenpartei Rheinland-Pfalz.

Von einem friedlichen Pilgerfest gehen die Einsatzplaner eingedenk der Erfahrungen der letzten Wallfahrt 1996 auch in diesem Jahr laut eigener Aussage aus: „Wenn die Einsatzplanung von einem friedlichen Fest ausgeht, stellt sich die Frage, warum dann auf derart verschärfte und die Persönlichkeitsrechte der Passanten einschränkende 'Sicherheitsmaßnahmen' zurückgegriffen werden soll.", sagt Petra Ocksendorf, Pressesprecherin des Chaos Computer Club Trier e. V.

„Es könnte fast der Eindruck entstehen, dass die Besucher des Pilgerfestes potentielle Terroristen seien, wenn wegen dieses Events die Innenstadt derart überwacht werden soll. Sowohl die Trierer Bürger als auch die Pilger haben ein Recht darauf, dass ihre Privatsphäre auch in der Öffentlichkeit geschützt wird. Die Ausübung des eigenen Glaubens ist eine intime Angelegenheit. Gerade Pilger sollten deswegen während der Wallfahrt nicht weltlich überwacht werden.", so Christian Hautmann, Vorsitzender der Piratenpartei Trier.

Statt anhaltsloser Kontrolle plädieren beide Gruppen dafür, eine Atmosphäre des Vertrauens durch persönliche Ansprache zu schaffen und so eine friedliche Wallfahrt zu ermöglichen.

Quellen:
- TV vom 20.3.2012
http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/heilig_rock_wallfahrt_2012_trier/berichte/Berichte-Heilig-Rock-Polizei-auf-die-Wallfahrt-vorbereitet;art306393,3098975
- wissenschaftliche Studie des Instituts für Kriminologie der University of Leicester, UK zur Unwirksamkeit von Videoüberwachung, beauftragt vom britischen Innenministerium
http://webarchive.nationalarchives.gov.uk/20110218135832/http://rds.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs05/hors292.pdf